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Antifouling ? Vaseline! Mische Deinen eigenen Rumpfschutzfilm!


Nicht lange unter Wasser und schon bewachsen - in diesem Falle eine Teekanne.An und für sich ist es ein toller Regulationsmechanismus im Gewässer, der kaum besser funktionieren könnte: Die irgendwann über Bord gegangene Teekanne dient als willkommener Lebensraum für Muscheln, andere Kleintiere und Pflanzen. Auch Bootsrümpfe sind sehr beliebt als Lebensraum. Nicht alle sind damit einverstanden.

Neben heimischen Großmuscheln können auch Bootsbesitzer über ihr Leid mit den wachstumsfreudigen Wesen im Gewässer klagen. Spätestens im Frühjahr, wenn alles wieder sauber ist,  ergibt sich daher die Frage: Wie schütze ich mein Unterwasserschiff vor aufwachsenden Wasserorganismen?

Die Lösung scheint nach kurzem Blick ins Netz oder in einen der zahlreichen Bootsausstatter-Kataloge recht einfach: ein geeignetes Antifoulung muss auf den Rumpf. Doch muss es das wirklich? Und fügt man sich selbst und den Gewässern damit nicht mehr Schaden zu, als man Nutzen daraus zieht? SilaVega hat sich mit der Sache genauer beschäftigt und empfiehlt eine Alternative. Neugierig geworden? Dann gibt es hier Lesestoff und Hinweise zur Mitmachaktion!

>>>  Was ist Antifouling?  >>>

Der Begriff ist zunächst einmal ein wenig irreführend. Hier geht es nicht um Fäulnis, also Zersetzungsprozesse unter Luftabschluss, sondern um Wachstumsprozesse auf festen Körpern durch pflanzliche und tierische Wasserorganismen unterschiedlicher Größen und Arten. Insofern wäre, wenn ein Anglizismus gefragt ist, „Antigrowing“ exakter.

Feste Dinge oder Riffe unter der Wasseroberfläche sind ein gefragter Lebensraum für eine Reihe von Organismen, wie etwa Muscheln, Schnecken, Fadenalgen. Die Möglichkeiten, fest und sicher unter Wasser zu leben, sind limitiert durch die geologische Beschaffenheit. Völlig einleuchtend, dass jedes Ding, was zusätzlich in den Wasserkörper kommt, gerne und schnell als Lebensraum erschlossen wird. Das geht soweit, dass sich viele Organismen effektiv gegen diesen Aufwuchs schützen müssen. Fische tun dies z.B. durch eine gelartige, laufend erneuerbare Trennschicht.

Für andere Organismen, wie z.B. viele heimische Großmuscheln, ist der Aufwuchs durch Organismen ein lebensbedrohliches Problem, wie z.B. aktuell für Enten- und Malermuscheln, die  von Dreiecksmuschelkolonien so bewachsen werden, dass sie sich nicht mehr öffnen können und verhungern.

In den mehreren tausend Jahren Schifffahrt war das Problem aufwachsender Organismen gut bekannt. Umgegangen wurde damit unterschiedlich: Manche Schiffe ließ man bewachsen, bis sie schließlich schwer und unbrauchbar wurden. Im römischen Reich schätzte man weiche Bleibahnen, die auf die Rümpfe genagelt wurden. In der frühen Moderne nutzte man Kupferbahnen. Kupfer ist für viele Wasserorganismen ein natürliches Toxin.

Erst Mitte des letzten Jahrhunderts traten die chemischen Antifoulinganstriche ihren Siegeszug an. Dabei ging bzw. geht man zwei Wege: bei den sogenannten erodierenden Antifoulings fallen die aufwachsenden Organismen mit den Farbpartikeln ab, d.h. solche Anstriche landen mit all ihren Bestandteilen grundsätzlich und zielgerichtet im Gewässer.

Bei den toxischen Antifoulings ist der Anstrich mit zT erheblich gilftigen Chemikalien, vornehmlich Schmermetallen, versetzt, die die aufwachsenden Organismen absterben lassen – und schließlich ebenfalls im Stoffhaushalt des Gewässers zu finden sind. Besonders unrühmliche Folgen hat die verbreitete Verwendung des AF-Grundstoffes Tributylzinn hinterlassen. In weiten Teilen der Welt sind in den Untergründe von Hafenanlagen und Kanälen heute dramatische Konzentrationen dieses Toxins zu finden.

Doch auch die Nachfolger des mittlerweile verbotenen Biozids, wie z.B. Kupferverbindungen, wirken toxisch, und das nicht nur bei Wasserorganismen. Der Hautkontakt mit der Farbe, das Einatmen des Schleifstaubes und die Verbreitung der Substanz durch Arbeitsmittel und Reststoffe etc. fördert neben karzinogenen Erkrankungen auch massive und bleibende Störungen des Hormonhaushaltes bei höheren Organismen, auch beim Menschen..

Aktuell besinnt man sich daher auf Lösungen, wie sie die Natur seit Jahrtausenden optimiert hat. In der Bionik arbeitet man derzeit an Verbindungen auf Silikonbasis, die in etwa wie eine Fischhaut funktionieren.

>>  Braucht man wirklich Antifouling?  >>

Wenn funktionierende Schifffahrt zwingend auf Antifoulings angewiesen wären, würde der größte Teil der weltweiten Seewege unbefahren, Kontinente unentdeckt und Mannschaften unbeweglich auf See geblieben sein. Wir übertreiben? Nur ein ganz klein wenig.

Ja, es ist richtig, dass aufwachsende Wasserorganismen den Reibungswiderstand des Rumpfes im Wasser erhöhen. Insofern das Boot regelmäßig bewegt wird und sich dieser Aufwuchs als Biofilm ausbildet, ist diese Reibung aber weitaus geringer als vermutet.

Werden Boote länger nicht bewegt, können sich dann aber schon größere Organismen festsetzen, wie etwa Dreiecksmuscheln oder fadenbildende Algen … und das ist schon an der Leistung zu spüren.

Dann braucht man nicht unbedingt Antifouling, sondern vor allem eines: eine Oberfläche, die unattraktiv als Lebensraum für andere Organismen ist. Das lösen eine Vielzahl von Wasserorganismen vollkommen ohne Toxine, warum also nicht auch wir?

>  Antifouling? Vaseline!  >

Unser Tipp: Vaseline auftragen als Rumpfschutzfilm.

  • unerheblich in den Kosten
  • einfach zu verarbeiten
  • unkritischer Abbau im Gewässer ohne toxische Verfallsprodukte
  • ausgezeichnete hydraulische Eigenschaften, die abrasive Anstriche übertreffen
  • regional zu beziehen in jeder Apotheke oder Drogerie
  • kein toxischer Schleifstaub
  • keine hormonellen Wirkungen auf den Nutzer und auf die Wasserorganismen.

Einziger Kritikpunkt: Die Dauerhaftigkeit. Boote, die mehrere Jahre hinweg im Wasser belassen werden, können so nicht ausreichend geschützt werden. Sehr wohl aber ein Sportboot, das Anfang Mai ins und Mitte Oktober aus dem Wasser kommt. Hier hängt die Dauerhaftigkeit  sehr von der Konsistenz der aufgetragenen Vaseline ab.

Und hier laden wir alle Interessierten zu einer Mitmach-Aktion ein. Mischt, verbessert, optimiert Euren Rumpfschutzfilm entsprechend Euren verbauten Materialien, Bedingungen in den Gewässern, Einsatzerfordernissen und teilt uns Eure Erfahrungen mit!

Lasst uns zum Ende der Saison von dieser Seite ausgehend ein Forum starten, in dem wir uns über Alternativen zum Antifouling austauschen und Mischungen empfehlen. Also: Mut zum Querdenken!

Zu guter Letzt: Vaseline als Rumpfschutz ist übrigens ein alter Hut und nicht unsere Idee. Eine Reihe unkonventioneller Bootsnutzer, u.a. viele Skipper in Portugal und Nordfrankreich machen das seit Jahren erfolgreich.

Wird nur eben ungern verbreitet.Warum eigentlich ;-) ?